Besuch bei FICO

Anlässlich der Eröffnung im November 2017 hatte ich in einem kurzen Beitrag über FICO informiert. Nun war ich selbst vor Ort in Bologna und habe mir den laut Eigenwerbung größten Agrolebensmittel-Park der Welt angeschaut. Hier der Bericht.

 

FICO

 

Auf nach FICO, was die Abkürzung für Fabbrica Italiana Contadina (soviel wie Italienischer bäuerlicher Herstellungsbetrieb) ist. Ein Sonntagmittag im Mai – beste Essenszeit, und trotzdem gelingt die Anreise problemlos. Genügend Parkplätze sind vorhanden, zwar in praller Sonne, aber was soll’s – sonst gieren wir ja nach Sonne. Dass es keine Schwierigkeiten macht, auf dem 10 ha großen Gelände einen Parkplatz zu finden, bedeutet allerdings nicht, dass auch im Gourmet-Tempel gähnende Leere herrscht: Am Sonntagmittag kommen viele auf die Idee, bei FICO zu pranzieren, so dass nicht nur mitunter längere Wartezeiten an den Essständen und in den Restaurants und Cafés in Kauf zu nehmen sind, sondern auch tobende Kinder und lauthals kommunizierende Erwachsenen-Gruppen den stillen Genuss etwas trüben. Es ist einfach voll. Aber was soll’s: Das ist der Süden, und man muss ja auch nicht ausgerechnet am Sonntagmittag bei FICO einfallen.

Das Essen (und Trinken): Es gibt wirklich alles! Wer italienische Küche mag und hier wieder hungrig herausgeht, dem ist nicht zu helfen. Doch – vielleicht finanziell, denn die Preise haben durchaus nordeuropäisches Niveau. Aber allenfalls ein leeres Portemonnaie oder Angst vor den Folgen eines zu üppigen Konsums (denken wir an Marco Ferreris Das große Fressen) könnten Ess- und Spaßbremsen sein, denn alle Spezialitäten der italienischen Küche sind hier erhältlich. Etwas unbefriedigend fand ich nur die Organisation des Angebots, das etwas verstreut ist: Es gibt große Restaurants zu den Themen Fleisch, Fisch, Pasta usw., doch bspw. Arrosticini findet man nicht im Fleisch-Restaurant, sondern an einer kleinen Bude. Auch wäre mir lieber eine nach Regionen gegliederte Strukturierung des Angebots gewesen, denn bei der gewählten Gliederung ging doch einiges unter (bei der Suche nach einem sizilianischen Farsumagru wurde ich bspw. nicht fündig), was wohl auch dadurch bedingt ist, dass norditalienische Angebote deutlich dominieren und vor allem finanzkräftige Konsortien, wie z.B. denen der Parmesan-Hersteller und der Grana-Padano-Hersteller, entsprechender Präsentationsraum zubemessen wird.

Und das deutet schon ein weiteres Moment an, das den Genuss trübt. Zweifelsohne haben die inhaltlichen Angebote viel Interessantes zu bieten, doch das Ganze ist eben auch relativ kommerziell. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass der durch das Thema Essen und Trinken gesteckte Bezugsrahmen mitunter doch gesprengt wird, wenn etwa Fahrräder – so gesund und ökologisch sie sein mögen – vermarktet werden. Auch der Buchladen, den ich voller Freude und Hoffnung auf tolle Kochbücher betreten habe, enttäuschte: Die Koch-Literatur bildet nur ein kleines Segment, es war eher ein ganz normaler Buchladen, und die Kochbuch-Abteilung der Feltrinelli-Buchhandlung in Neapel (Via S. Caterina), die ich drei Tage später besuchte, war deutlich besser sortiert …

Fazit: Wer im Großraum Bologna mal schnell gut verschiedenste italienische Spezialitäten kosten will oder sich auf der Heimreise mit den unverzichtbaren Zutaten eindecken will UND nicht den Charme kleinteiliger, leicht morbider Verkaufsstrukturen sucht, sondern mit einem messeartigen Ambiente zufrieden ist, der ist bei FICO richtig.

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