FICO – Fabbrica Italiana Contadina

FICO heißt der neue, vorgestern eröffnete Gourmet-Tempel Italiens. Nein, kein neues 5-Sterne-Restaurant sondern viel, viel mehr. FICO ist ein dem Essen gewidmeter Foodpark, ein insgesamt 10 ha großes Areal, auf dem man in über 40 Restaurationsbetrieben essen und trinken kann, was es auf der Halbinsel gibt, wo man all dies natürlich auch kaufen und zum häuslichen Gebrauch mitnehmen kann, wo man in zahlreichen Kursen und Workshops sein Wissen rund um die italienische Küche vertiefen kann, wo man die Produktion von Lebensmittel verfolgen und wo man sogar Tiere bestaunen kann.

 

FICO

 

Bislang war bei Italienreisen oft Mailand eine unserer Zwischenstationen. Nicht weil wir so verrückt nach Risotto alla milanese sind (das sind wir auch!), sondern weil dort in der Via Spadari 9, unweit des Doms gelegen, das Gourmetkaufhaus Peck residiert, wo man auf drei Etagen diverse köstliche Lebensmittel aus ganz Italien verkauft und wo wir oft unsere Vorräte für den nördlich der Alpen zu verbringenden Zeitraum aufgefüllt haben. Bei Feinschmeckern hat die Gotthard-Route jedoch vermutlich ausgedient, denn zukünftig geht es wahrscheinlich auf der Brenner-Route schnurstracks nach Bologna, wo mit FICO eine neue kulinarische Attraktion entstanden ist. Dort wird einem die gesamte Produktionskette von Lebensmitteln vorgeführt, vom Stall bzw. der Weide (auf 2 ha) bis in den eigenen Mund: Vom Beobachten, wenn man mag: auch eigenhändigen Melken von Kühen, Ziegen, Schafen und anderen Tieren bis hin zu deren Verköstigung in -zig Restaurationsbetrieben – vom Italo-Streetfood-Karren über regions- oder produktbezogene Trattorien bis hin zum Sterne-Restaurant ist alles dabei. Und wenn’s geschmeckt hat, kann man auf insgesamt 9.000 qm Marktfläche verschiedener Anbieter shoppen bis das Portemonnaie leer ist. Auch für Möglichkeiten zur Erweiterung des Horizonts ist gesorgt: Täglich werden 50 Kurse zu Themen wie Pizza selbst machen, Trüffel suchen oder Food-Fotographie angeboten, wobei die Teilnahmegebühren sich im Bereich von 10 / 20 € für einstündige Kurse bewegen, der Eintritt für die anderen FICO-Bereich ist frei, und dies 365 Tage im Jahr. 50 Kurse klingt viel und lässt manchen Volkshochschuldirektor im ländlichen Raum vor Neid erblassen, doch andererseits rechnet man mit täglich bis zu 16.000 FICO-Besuchern, so dass die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ratsam ist.

 

Spiritus rector des Projekts ist Oscar Farinetti, der als Unternehmer mit der Kette Eataly erfolgreich italienische Gastronomie und Lebensmittelvermarktung betreibt. Zusammen mit namhaften Lebensmittelproduzenten und -händlern (allen voran Coop) hat Farinetti rund 120 Mio. € investiert. Man hofft auf einen weiteren Quantensprung in Sachen Begeisterung für italienische Küche, wobei zu bedenken ist, dass schon jetzt in Italien der Agrar- und Lebensmittelsektor nach der Metallindustrie der zweitstärkste Wirtschaftssektor ist und man für dieses Jahr einen Umsatz von 135 Milliarden € erwartet.

 

Angesichts der Größe von FICO, was die Abkürzung für Fabbrica Italiana Contadina (soviel wie Italienischer bäuerlicher Herstellungsbetrieb) ist, aber auch das italienische Wort für Feigenbaum ist, bleibt zu hoffen, dass wirklich bäuerliches und nicht agroindustrielles Feeling in Bologna aufzukommen vermag, so dass FICO wirklich fico ist – das bedeutet nämlich nicht nur Feigenbaum, sondern umgangssprachlich soviel wie geil

 

 

 

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